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Mit dem Faltboot auf der Dordogne: Von Beaulieu nach Siourac.

6 Dezember 2013 Von: Uwe 2.036 mal gelesen Keine Lesermeinung
 


Mit dem Kanu auf der Dordogne unterwegsEin neues französisches Flussabenteuer im Hochsommer: Mit unserem mittlerweile leicht betagten Faltboot befuhren wir die Dordogne auf ihren schönsten Abschnitten.

Absolute Einsamkeit, Ferientrubel und die fantastische Flusslandschaft beglückten uns mit einem Kontrastprogramm sondergleichen. Frankreich ist immer eine Flussreise wert – Kommen Sie mit und begleiten Sie uns in diesem Reisebericht durch das Perigord Noir, vorbei an verwunschenen Burgen und mythischen Auen.

Start: Beaulieu-sur-Dordogne, Camping Municipal de Altillac

Der in unserem Flussführer und auch im Netz vielfach empfohlene Campingplatz „des Iles“ in Beaulieu-sur-Dordogne erwies sich als fest in holländischer Hand befindlicher Familien-Camping mit Hully-Gully Hüpfburg und für diese Art Camping typisch überzogener Preisgestaltung.
Camping in Altillac an der Dorgdogne - Ruhig, preiswert und trotzdem zentral
Die Lage wäre zwar optimal gewesen, aber wir zogen weiter und fanden nur knapp einen halben Kilometer weiter auf der anderen Seite der Dordogne in Altillac einen typisch französischen Camping Municipal, direkt am Ufer der Dordogne und in unmittelbarer Nähe eines Intermarchès gelegen.

Das freundliche Personal der Gemeinde und die angenehmen Mitcamper machten die Wahl leicht: Hier bezogen wir unsere Basis, zumal man dort auch für moderates Geld sein Auto für die Dauer der Dordogne-Befahrung abstellen kann. Perfekt!

Nach einem Tag erfolgreichen Eingewöhnens und der obligatorischen Verproviantierung ging das Abenteuer also los. 16 Kilometer lang war unsere erste Etappe, die uns gemütlich zum direkt am Ufer des Mühlengrabens von Carennac gelegenen Campingplatz führte.

Direkt nach dem Start in Altillac fuhren wir links an dem recht schnell auftauchenden Inselchen vorbei – Die richtige Wahl, wie sich zeigte, denn obwohl das Wasser dort hörbar rauscht sollte man sich auf die hoffentlich mitgenommenen Flussführer verlassen. Die rechte Seite sieht zwar anfangs harmlos aus, hat aber wohl schon so manch unbedarften Faltboot-Fahrenden in leichte Bedrängnis gebracht.

Ansonsten fliesst die Dordogne in diesem Abschnitt mitunter flott, aber auch für ältere Faltboote sehr gut fahrbar in ihrem Bett. Ein Steinwurf-Wehr kreuzt zwar nach einigen Kilometern noch die Fahrrinne, aber das ist gut erkennbar und bildet daher auch keine sonderliche Gefahr für die empfindliche Bootshaut.

Die 16 Kilometer bis zum Wehr von Carennac sind in ein paar wenigen Stunden geschafft – Es empfiehlt sich am dortigen Campingplatz zu verweilen und eine Besichtigung des schönen Ortes zu unternehmen.

Das Wehr und der Mühlengraben von CarennacDas Wehr von Carennac ist, wie auch die rechts im Wehr vorhandene Fischtreppe, für Faltboote meiner Meinung nach ohne Gefahr für die Bootshaut nicht fahrbar. Aber es gibt eine Variante, wenn man sich das Umtragen ersparen möchte:

Der Mühlengraben direkt am Campingplatz ist auf der gesamten Länge fahrbar. Aber auch hier: Kein Paradies ohne Apfel – Und diese Variante bietet gleich zwei davon…

Der Mühlengraben von Carennac.

Die folgenden drei Bilder zeigen Impressionen der Durchfahrt des Mühengrabens. Drauf klicken öffnet eine grosse Ansicht!

Ein wenig erinnert die Durchfahrt an einen Urwald.Die Durchfahrt durch die Mühle. REchts durch das Loch, dabei möglichst links vorhaltenDie Kühe sind Wanderfahrer gewohnt

Die Durchfahrt des Mühlengrabens von Carennac ist ein erstes, kleines Highlight einer Dordogne-Befahrung.

Zunächst geht es gut 1,5 Kilometer lang durch eine ursprünglich erscheinende Flusslandschaft. Hin und wieder tauchen weidende Kühe am Ufer auf, bis sich vor der Mühle das Wasser etwas weitet.
Hier muss man nun durch das rechts neben der Mühle erscheinende Loch fahren, in dem die Strömung munter zieht und am Ende der Durchfahrt ein kleiner, aber harmloser Schwall auf das Boot und seine Besatzung wartet.

Nach dieser kleinen Herausforderung fährt man noch ein paar hundert Meter weiter während links auf dem Hügel nun das Dorf Carennac selbst an einem vorbeizieht. Wer es noch nicht besichtigt hat, sollte jetzt einen kleinen Stop einlegen – Es lohnt sich durchaus.

Gegenüber der Anlegestelle von Carennac geht es über eine moderat fliessende Fischtreppe zurück in die Dordogne. Diese Fischtreppe ist meiner Meinung nach ebenfalls nicht für empfindliche Faltboothäute geeignet – Aber gut zu treideln. Man legt links vor der Fischtreppe an einer Art Betonpier an und treidelt das Boot am besten zu zweit langsam bis in die Dordogne hinab. Ansehen und selbst entscheiden…

Zauberhafte Flussfahrt auf der DordogneWieder zurück auf dem Fluss beginnt eine wunderbare Wanderfahrt durch zauberhafte Landschaften.Steil aufsteigende Felsformationen zwingen die Dordogne immer wieder zu Richtungsänderungen und so mäandert man mit dem Boot staunend den Fluss hinunter.

Die Dordogne ändert nach Carennac ihr Gesicht. Aus dem bis hier eher langsam durch eine weite Landschaft ziehenden Fluss wird nun ein mitunter munter strömendes Gewässer mit Kies- und Sandinseln am Ufer, versteckten Winkeln zum Träumen und lebhaften Schwällen die uns aber vor keine grösseren Probleme stellten.

Dordogne – Impressionen zwischen Carennac und St. Julien de Lampon

Die Dordogne nach CarennacMit einem Pouch Faltboot unterwegs auf der DordogneKleine Abstecher laden zum träumen auf der Dordogne ein.

Andere Boote trifft man hier nur vereinzelt. Meist sind es Mietboote aus Plastik die an Brücken oder Ortschaften eingesetzt werden und ein paar Flusskilometer weiter abwärts samt Besatzung wieder eingesammelt werden. Je später der Abend, desto ruhiger der Fluss und mit dem richtigen Auge finden wir hin und wieder sogar einen der an der Dordogne durchaus raren Plätze zum „wilden“ Zelten und Übernachten am Ufer des Flusses.
Pot au Feu geht auch an der Dordogne Endlich kann das mitgeschleppte Equipment und die vor Ort eingekauften Köstlichkeiten zum Einsatz kommen.
Was schmeckt nach einem Paddeltag besser als ein Eintopf vom Feuer? Dazu ein Rotwein aus der Region und das Faltboot-Glück ist vollkommen.

Nach einem ausgiebigen Flussbad am nächsten Morgen schliesslich ging es weiter die Dordogne hinab, bis wir am frühen Nachmittag bei St. Julien de Lampon anlandeten und auf dem rechts am Ufer befindlichen Campingplatz Station bezogen.

Es gibt dort direkt vor der Brücke zwei Campingplätze die um die Gunst der Gäste buhlen. Für ein Mal entschieden wir uns nicht für den Camping Municipal – Denn dieser bot allerbesten „Holland-Standard“ mit Frittenbude, Animation und kleinen Zeltplätzen auf riesigem Areal – Massencamperhaltung.

Besser, ruhiger und auch direkt am Ufer der Dordogne gelegen ist der rechts vor der Brücke befindliche Campingplatz „Les Ombrages“ – Unser Tipp!

St. Julien de Lampon ist ein kleines, typische Dorf des Perigord mit Spezialiäten-Läden die fast alle Köstlichkeiten der Region frisch führen. Sehr gemütlich…

Domme – Mal wieder ein „Plus beaux village de France“

Bis Domme, eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“ geniessen wir die Fahrt, lassen uns treiben und entschliessen uns schliesslich in Cenac, dem kleinen Ort unterhalb von Domme, zwei Tage zu verweilen.

Das auf einem Hügel liegende Örtchen Domme ist auf jeden Fall eine Besichtigung wert – Nicht nur der beeindruckenden Grotte wegen.
In Cenac kann man auf dem links am Dordogneufer, direkt vor der Strassenbrücke gelegenenen Campingplatz erstaunlich ruhig zelten. Der Ort bietet alle Möglichkeiten zur Verpflegung und wenn man den rot-weissen Markierungen des GR-Wanderweges den Hügel hinauf folgt, steht man nach ca. 30 Minuten direkt in der Altstadt von Domme.

Von der dortigen Terrasse bietet sich ein toller Blick über das Tal der Dordogne:

Panorama des Dordogne Tals von Domme aus gesehen.

Sehr sehenswert sind übrigens noch die Grotten von Domme, die sehr bequem direkt vom Marktplatz aus erreichbar sind. Eine der schönsten Tropfsteinhöhlen die wir bislang besichtigen durften – inmitten einer pittoresken, schönen alten französischen Stadt. Nehmen Sie sich also etwas Zeit für Domme, es lohnt sich.

Die Dordogne bei DommeDie Dordogne bei Domme windet sich wieder durch ein offenes, liebliches Tal
Aber „das Beste“ kommt ja bekanntlich zum Schluss. Also Leinen los zur Schlussetappe…

Aber Halt: Vor Abfahrt sollte man vorher noch in einer der örtlichen Weinkellereien (Caves) vorbeischauen und sich einen oder zwei Liter Landwein direkt ab Fass in eine Plastikflasche abfüllen lassen.

Jetzt geht’s richtig los: La Roque Gageac.

IMG_0456Täglich mehrere tausend Mietkanu-Fahrende können nicht irren: Jetzt kam das aus touristischer Sicht spektakulärste Stück Dordogne.
So etwas hatten wir noch nicht gesehen: Reisebusse in schier endloser Reihe spieen Touristen aller Altersklassen an den Strand der Dordogne, wo sich diese über Unmengen bereitgestellter und übereinander gestapelter Mietkanus hermachten.

IMG_0442Anscheinend ohne Einweisung aber immerhin mit einer Art Rettungsweste ausgestattet ergoss sich diese Menschenmenge in Booten anschliessend völlig unkontrolliert und planlos den hier doch zügig fliessenden Fluss hinunter. Wir konnten uns gar nicht richtig auf die eigentliche Attraktion konzentrieren, drohten doch dauernd heftige Kollisionen, die wir für unser vollbeladenes und empfindliches Faltboot vermeiden wollten. Denn die meisten der Miet-Kapitäne hatten anscheinend das erste Mal im Leben einen Kanadier auf einem Fluss in der Hand und paddelten schon mal in einer Art Panik-Modus immer schneller einfach rauf los, wenn ein Hindernis auftauchte. Vielfach ging das schief – Wir sahen viele mehr oder weniger lustige Kenterungen innerhalb weniger Minuten… Das da noch nicht mehr passiert ist liegt vielleicht auch daran, dass die Gendarmerie auf diesem Flussabschnitt präsent ist und auf die Einhaltung minimaler Sicherheitsregeln achtet, denn immerhin brettern duch die ganzen Kanus auch noch grosse, motorisierte Ausflugsdampfer.

Ein sehenswerter Fernsehbericht darüber findet sich auf französisch hier – Die Bilder allein sprechen für sich:

Fotograf mitten auf der DordogneUnd mittendrin: Ein Action-Fotograf, der die Leute bei diesem „Abenteuer“ fotografiert – Die Fotos kann man sich dann am Strand ausdrucken lassen…

Das Szenario ist aber auch eindrucksvoll: Auf nur wenigen Flusskilometern jagt ein historisches Highlight das Nächste, selbst Disneyland sieht dagegen ziemlich klein aus – und dabei ist das hier alles echt historisch.

La Roque Gageac, Castelnaud-la-Chapelle, Beynac-et-Cazenac – Märchenhafte Burgen, Schlösser und Dörfer inmitten wunderschöner Landschaft locken jedes Jahr hunderttausende Touristen an die Dordogne. Das alles vom Fluss aus zu sehen ist es wert, kurz auch Teil einer Masse zu werden.

Die Mündung der Vezere.Dieser viel befahrene Abschnitt ist nach ca. 10 Kilometern bereits zu Ende. Die Massen mit ihren Kanus werden gut organisiert wieder eingesammelt und innerhalb der nächsten 1-2 Stunden ist man auf dem Fluss wieder fast allein.

Die Dordogne fliesst ab hier deutlich langsamer, die Landschaft öffnet sich und der Bewuchs durch Wasserpflanzen, die sich wie Schüre um die Paddel legen und das Boot bremsen nimmt nun stark zu. Für uns ist nun, in Siourac-en-Perigord, bei Flusskilometer 292,5 Schluss. Direkt hinter der Brücke kann man bequem anlanden und auf dem gut ausgestatteten Campingplatz einchecken.

Siourac ist ein sehr schönes Dorf des Perigord, Abends trifft man sich unterhalb der Brücke und übt sich in Snall-Talk. Aber wichtiger: Es gibt einen Bahnhof von dem aus man, einige Umsteigevorgänge später, bis auf 4 Kilometer an Beaulieu heran kommt. Aber noch besser: Der freundliche Camping-Platz Besitzer fährt nach freudlicher Frage mit seinem Auto nach Beaulieu. Das spart einige Stunden Fahrtzeit und ist nicht wirklich teurer als die Tickets mit dem öffentlichen Verkehr: 80 Euro verlangte der freundliche Herr für den fast dreistündigen Transfer.

So konnte ich unser Auto nachholen und die Reise ging weiter – Die Vezere hinauf, wieder zurück in die Auvergne und schliesslich in die Schweiz.
Aber das ist eine andere Geschichte…

Ein paar informative Links zum Thema Kanu auf der Dordogne

Auf andere meiner Meinung nach relevante oder interessante Quellen habe ich direkt im Text verlinkt.
Sollten Sie noch andere Web-Adressem kennen, die nützlich für die Planung und Durchführung eines Dordogne-Abenteuers sind, nutzen Sie doch bitte das Kommentarfeld weiter unten :) – Wir alle haben daran Freude!

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